Rettet die Welt – Aber nicht auf meiner Reise

Man kennt es aus unzähligen Memes und Witzen: Veganer, die jedem, der es wissen will (und vor allem jenen, die es nicht wissen wollen) erzählen, dass sie vegan sind. Das man eine solche Erfahrung auch beim Thema Weltreise machen kann, war uns vor unserer eigenen Reise neu.

“Warum helft ihr nicht anderen, wenn ihr schon um die Welt reist?”

Ein begründeter Einwand, den wir uns vor unserer Reise anhören mussten. Unserer Welt geht es immer schlechter: Kriege, Klimawandel, etc. Also warum nicht eine Reise mit wohltätiger Arbeit verbinden und helfen? Unsere einfache Antwort: Es ist nicht unsere Intention. Wir reisen nicht, um zu arbeiten oder um anderen zu helfen. Punkt. Ich reise, um andere Kulturen kennenzulernen und um die Welt zu sehen. Mein Wunsch ist es dabei nicht, die Welt besser zu machen. Warum muss ich mir Kritik aufgrund dieser Einstellung anhören?

Wenn ich in den Urlaub fliege, bleiben solche Einwände aus. Aber kaum ist man mehrere Monate  außer Landes, wird erwartet, dass man zu einer Hilfsorganisation wird? Damit verbunden wären dann eine dementsprechende Route, Arbeitsvisa und Arbeit auf der Reise selbst. Das heißt mehr Kosten und Anstrengungen im Vorfeld und während der Reise. Das wollen wir nicht, aus genau diesen Gründen!

„Die höchste Form der Selbstlosigkeit ist die, die man für sich behält.“

Wenn manche Reisende so von ihren selbstlosen Plänen, die Welt zu retten, erzählen, bekomme ich schnell das Gefühl, dass sie sich selbst mehr helfen wollen als anderen. Warum sonst die ganze Zeit von der guten Tat reden, auf allen Social-Media-Kanälen Beiträge posten und andere in diesem Zuge kritisieren? “Ich will dich zwar nicht kritisieren, dass du auf der Reise keine ehrenamtliche Arbeit leistest, aber…” ist in etwa so wie “Ich habe nichts gegen Schwule, aber…”. Anerkennung ist wichtig, aber niemand sollte dies vor den eigentlichen Gedanken einer solchen „Hilfs-Reise“ stellen: zu helfen! Warum nicht helfen und es dabei belassen. Falls ein Außenstehender Interesse zeigt, gerne darüber berichten. Aber solange ich nicht frage, interessiert es mich nicht, in was für einem Dorf du was getan hast.

Erster Eindruck: „Ich bin gegen Organisationen und ehrenamtliche Arbeit, die die Welt verbessern wollen. Menschen die täglich ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, respektiere ich nicht.“ Nein, dies bedeutet meine Einstellung nicht! Desinteresse an deinem persönlichen Leben ist nicht gleichzusetzen mit Desinteresse an der Welt. Ich habe tiefen Respekt vor ehrenamtlichem Engagement und vor den Leistungen der Mitarbeiter. Aber sobald es um persönliche Erfahrungen von Helfern geht, halte ich es mit dem Sprichwort: Lasst die Kirche im Dorf. Solange mein Gegenüber nicht Botschafter ist oder bei Ärzte ohne Grenzen in Syrien an der Front war, interessiert mich der persönliche Erfahrungsbericht herzlich wenig. Davor, währenddessen und danach. Mir ist bewusst, dass ich solchen Menschen nicht auf diversen Social-Media-Kanälen folgen muss. Aber andererseits Kritik abzubekommen und als schlechter Mensch eingestuft zu werden, weil man den Erwartungen einer Person nicht gerecht wird, weil man eben nicht selbst in besonderer Mission reisen will, das muss nicht sein.

Ich weiß selbst, es gibt genug Menschen die Ihr Leben riskieren und / oder einfach nur helfen wollen. Hier geht es um die Randgruppe, die den größten persönlichen Nutzen für ihr Image aus der Hilfe anderer zieht und sich dann darüber aufregt, wie selbstsüchtig andere Menschen sind. Arroganz und Selbstsucht sind dabei eher bei Ihnen zu finden. Trotz allem sollte man Ihre Leistungen anerkennen und wertschätzen, auch wenn sie selbst am eigentlichen Ziel vorbeischießen, helfen sie dennoch.

Ein positiver Aspekt ist bei solchen Leuten zusätzlich zu finden, sie liefern Content für diesen Blog. Also sage ich:

Danke

Die Zeit hat vor kurzem (11.10.2017) ein Dossier zu diesem Thema veröffentlicht. Hier der Link.

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