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Killing Fields & Foltergefängnis S-21

Genozid einer Nation

Ein ehemaliger Obstgarten und eine ehemalige Schule. 17.000 Menschen werden hier systematisch gefoltert und ermordet . Ein Teil der zwei Millionen Opfer die das Regime der roten Khmer von 1972 bis 1979 forderte.

Regime des Terrors

Für einen groben Überblick über die Geschichte Kambodschas reicht es zu wissen, dass Kambodscha sich bis 1972 von der französischen Kolonialmacht löste und Unabhängig wurde. Nach einem Bürgerkrieg, der vor Allem aus dem benachbarten Vietnamkrieg resultierte, kamen die roten Khmer an die Macht. 1975 gelang es den roten Khmer die Landeshauptstadt Phnom Penh einzunehmen und sich mithilfe Nordvietnams gegen südvietnamnesische und amerikanische Truppen durchzusetzen. Mehr zum Vietnamkrieg findet sich im nächsten Artikel.

Die standardmäßige Kleidung der roten Khmer

Die roten Khmer waren kommunistisch und führten den sogennanten „Steinzeitkommunismus“ ein. Phnom Penh wurde innerhalb weniger Tage entvölkert, Städte, Technik und Tempel zerstört, es sollte das Jahr „Null“ herrschen. In Vernichtungslagern wurden Staatliche, Intellektuelle und Geistliche gefoltert und getötet. Das System ging nicht auf und so starben tausende weitere an Krankheiten und Hunger. Die Zahl der Toten wird auf über zwei Millionen geschätzt, ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Bis 1979 dauerte die Schreckensherrschaft, doch erst Ende 1998 ergaben sich die letzten roten Khmer, die versteckt im Norden gelebt hatten. Besiegt von ihrem eigenem System und der südvietnamnesischen Armee. Selbst nach 1979 wurden die roten Khmer noch als offizielle Regierung von den Vereinten Nationen angesehen, darunter auch von Deutschland.

Choeung Ek

Unsere erste Station führte uns zu einem Killing Field außerhalb von Phnom Penh, Choeung Ek. An hunderten ähnlichen Feldern im Land wurden wurden über 100.000 Menschen getötet, in Choeung Ek alleine über 17.000. Die Menschen wussten meistens nicht was sie erwartete, von den Feldern wusste lange Zeit niemand. Mit Lkws und Transportern wurden Menschen eingeliefert. Teilweise kamen soviele an, dass sie in ein Wartehaus gesperrt wurden, beschallt mit lauter Musik um das Töten draußen zu verdecken.

In jeder Grube liegen bis heute mehrere hunderte Menschen

Um Munition zu sparen wurden die Opfer mit Knüppeln und Äxten getötet, Kleinkinder und Babys wurden an Bäumen bis zum Tod geschlagen. Nach 1979 wurden alle Gebäude demontiert. Nur die Gruben und die Bäume bleiben.

Abseits der Pfade sahen wir in den Gruben Kleidungsreste und Knochen, Erinnerungen die der Regen immernoch hervorbringt. Mitarbeiter gehen täglich über die Felder und sammeln die Stücke in Gedenken an die Opfer ein. In der Mitte der Anlage steht eine Gedächtnis-Stupa. Im Inneren befinden sich tausende übereinander gestapelte Schädel der Getöteten. Darunter die benutzten Waffen.

Dieser Ort ist sehr intensiv. Besonders da jeder Besucher einen Audio-Guide erhält. Neben den Hintergründen und der Geschichte der Killing Fields berichten Zeitzeugen. Wenige Überlebende, Wärter und Aufseher, die auch die Tötungstaktiken beschreiben. Choeung Ek war ein Ort der Hoffnungslosigkeit. Wer hier ankam starb.

Tuol Sleng

  1. Du musst meinen Fragen entsprechend antworten – weiche nicht aus
  2. Verstecke keine Fakten mit langen Einleitungen über dies und das. Es ist dir streng verboten mir zu widersprechen.
  3. Sei kein Narr, denn du bist jemand der die Revolution vereitelt
  4. Du musst meinen Fragen direkt antworten und keine Zeit mit reflektieren verschwenden
  5. Erzähl mir nichts über deine Unmoral oder die Essenz der Revolution
  6. Du darfst nicht weinen wenn du die Peitsche oder Elektroschocks bekommst
  7. Mache nichts, sitze still und erwarte meine Befehle. Sei leise wenn du keine Befehle hast. Wenn ich etwas Befehle musst du es direkt und ohne zu protestieren ausführen
  8. Mache keine Einleitungen über unser Land mit der Intention deine Geheimnisse und deinen Verrat zu verstecken
  9. Wenn du nicht allen oberen Regeln folgst bekommst du viele Peitschenhiebe mit dem Elektrokabel
  10. Wenn du meinen Anweisungen nicht folgst bekommst du entweder zehn Peitschenhiebe oder fünf Elektroschocks

Die Regeln des Gefängnis

Über 14.000 Menschen brach das Foltergefängnis S-21 und schickte sie in den Tod. Heute ist es unter Tuol Sleng bekannt, der Hügel der vergifteten Bäume. Eine Parole der roten Khmer lautete:“Das Übel mit der Wurzel entfernen!“. Ganze Familien wurden hierhin verschleppt, es sollte niemand überleben der Rache üben kann. Vorwand war häufig die Verdächtigung für den Westen zu arbeiten. Oft waren eigene Leute des Regimes in den Zellen. Ein Ort um all diejenigen zu beseitigen, die für wertlos erachtet wurden.

Stacheldraht vor den Gängen der ehemaligen Schule

Die Gebäude stehen bis heute. Die Zellen in den Klassenzimmern, die Betten auf denen Gefangen zu Tode gefoltert wurden. Sterben sollte hier jedoch niemand. Einziges Ziel war es den Menschen zu brechen und Informationen zu beschaffen. Getötet wurde in Choeung Ek. Falls ein Inhaftierter starb kam der Folterer oft selbst in eine Zelle und nach Choeung Ek.

Jedes einzelne Leben ist dokumentiert. In den Zimmern hängen tausende Fotos von den Eingelieferten, darunter auch hunderte Kinder. Blut ist auf dem Boden, den Wänden und der Decke über den Betten. Daneben stehen die Werkzeuge. Eiserne Fußfesseln, Peitschen, draußen ein Galgen. Auch hier besuchten wir mit einem Audioguide die einzelnen Stationen. Die Geschichten sind andere, das Erlebnis intensiver.

Gegen Ende konnten wir nicht mehr zuhören, zuviel wurde in den letzten Stunden erzählt, zu viel haben wir gesehen und aufgenommen. Zurück bleiben die Erinnerung an einzelne Geschichten, einzelne Motive. Hunderte bunte Bänder die im Gedenken an Zäune um die Killing Fields gewickelt sind, die Geschichte von zwei Liebenden die nacheinander nach Tuol Sleng kamen, ein Mann der sich für das Leben eines Jungen erschießen lässt, ein Galgen auf einem Schulhof.


Bildernachweise unter Commons für Choeung Ek und Tuol Sleng oder der jeweiligen URL des Bildes. Nachweis des Beitragbildes hier.

 

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