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Vietnam

Der Backpackertraum mit gebratenen Hunden

17.04.2018 – 03.05.2018

Für alle, die die Geschichte nicht interessiert, gibt es am Ende eines jeden (Weltreise-) Artikels Einschätzungen und Tipps zur Stadt in Bezug auf Unterkunft, Essen, Transport, etc.

Zurück in dem Land, dass ich bereits 2011 mit meiner Familie für zwei besucht habe. Damals nur am Strand gelegen, diesmal die komplette Tour von Saigon nach Hanoi, vom Süden bis in den Norden.

Russenhochburg

Wir starten in Saigon, wo wir uns auch von Kieron trennen. Mit „The Sinh Tourist“ geht es einmal durch das Land. Das Busunternehmen ist der Backpackertraum schlechthin. Für gerade einmal 23€ gibt es ein Hop-On-Hop-Off Ticket über drei weitere Stationen bis nach Hanoi. Alle Busse haben komfortable Liegen statt Sitze.

Unsere erste Station führte uns nach Nah Trang. Auf dem Weg fuhren wir sogar durch Mui Ne, welches ich bereits vor vielen Jahren besucht habe. Es wäre besser gewesen, wenn wir dort geblieben wären. Angekommen in Nah Trang treffen wir auf einen russischen Freizeitpark, so schien es auf jeden Fall. Nicht das kleine Dörfchen am paradiesischem Strand was wir erwarteten. Statt Bungalows gibt es Hochhäuser und Hotels. Keine Palmen, dafür Straßenlaternen und kostenpflichtige Liegen. Ein wenig wurden wir an die Partystrände auf Mallorca erinnert.

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Das einzige Mal am Strand hinter den Liegen der Hotels

Eigentlich halb so schlimm, nach vier Nächten sollte es schon weitergehen. Jedoch war Nah Trang als letzte Strandstation der Weltreise geplant gewesen, am Ende sahen wir diesen für gerade einmal zwei Stunden. Glücklicherweise gibt es in Nah Trang nicht nur den Strand. Wir mieteten uns wieder Roller und erkundeten die Umgebung. Aufgrund der nahe liegenden Bergkette ein absoluter Traum! Unsere Stationen führten uns selbstverständlich zu dem obligatorischen Tempel. Ähnlich wie der Tempel der Morgenröte in Bangkok hinduistisch und deswegen ein absoluter Blickfang. Da wir lange keine Wasserfälle mehr gesehen hatten, bezogen wir einen auch in unsere Tour mit ein. Mitten in den Bergen wagte ich einige Sprünge von der Klippe in das kühle Wasser.

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Für diese eine Rollertour lohnt sich Nah Trang wirklich, von dem Rest ist eher abzusehen. Die restliche Zeit in Nah Trang verbrachten wir meistens in dem „Alpaca Café“. Ein kleines familiär eingerichtetes Café und Restaurant mit unglaublich leckerem Essen und Eistees.

Die Stadt der Schneider

Von Nah Trang ein wenig enttäuscht fuhren wir in die bis dato schönste Stadt Südostasiens. Die Altstadt Hoi Ans steht unter Weltkulturerbe. Keine Autos, keine Neu- oder Umbauten, keine Touristenshops, keine Hochhäuser, weniger Russen! Berühmt ist Hoi An unter anderem auch für die hunderten Schneider, die ihr Handwerk dort verrichten. Die perfekte Gelegenheit sich einen Anzug und Blazer Maßschneidern zu lassen. Preislich bewegten wir uns bei dem besten Schneider der Stadt, der selbst schon im Forbes Magazin auftauchte und eigene Modeshows ausrichtet, im unterem dreistelligen Bereich. Ein absolutes Schnäppchen.

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Der Ruf der schönsten Stadt kommt nicht von irgendwo. Die Häuser der Stadt erstrahlen alle in gedecktem Gelb. Hinzu ist die Stadt überflutet mit Lampions. In der Nacht beleuchten sie die Straßen und selbst den Fluss in der Stadtmitte, auf dem zusätzlich hunderte Kerzen schwimmen.

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In der Altstadt gibt es mehrere Tempel und alte Häuser die besichtigt werden können, Markenzeichen der Stadt ist hingegen die japanische Brücke. Mit einer länge von 18 Metern und inklusive Dach thront sie über einem der vielen Nebenflüsse. Das überqueren kostet jedoch Geld.

Einfachheitshalber können an mehreren Punkten in der Stadt Tickets gekauft werden, die dann für alle Tempel, Brücken und historische Bauten gelten. So richtig überzeugen wollte uns keines der Gebäude, die Sehenswürdigkeiten um Hoi An hatten da schon einiges mehr zu bieten.

Der mamorene Berg

Mit der Altstadt waren wir an einem Tag durch, auf den Anzug mussten wir aber zwei Tage warten. Also wieder ein Roller geschnappt und los. In der Nähe von Hoi An liegen gleich zwei absolute Highlights von denen wir zuvor noch kein Wort gehört hatten: MySon und der Marble Mountain. Die Tempelanlage MySon stammt aus dem 2. und 3. Jahrhundert und bestand aus über 70 Tempeln. 1969 wurde das Gebiet großflächig bombardiert und beinahe alles zerstört. Bis heute ist die fugenlose Bauweise nicht reproduzierbar und so ist die Anlage leider nicht wiederherzustellen. Vom Eindruck ist genau so, wie man sich eine alte Tempelanlage vorstellt. Mitten im Dschungel stehen ein Haufen sagenumwobener Ruinen und noch einige Türme aus längst vergessenen Zeiten. Es ist immer schwierig zu sagen, was schöner ist. Eine restaurierte Anlage die in ihrem altem Glanz erstrahlt oder aber die Ruinen, die jeden magisch in ihren Bann ziehen und zu Geschichten anregen.

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Da wir extrem viel Zeit hatten beschlossen wir zu dem nahe gelegen Marble Mountain zu fahren.  Google versprach eine Pagode auf einem Berg. So weit so unspektakulär. Es ging mit dem Aufzug hinauf und die Pagode überzeugte uns nicht wirklich. Dann die große Überraschung, hinter der Pagode ging es noch weiter. Über mehrere Wege wanderten wir über den gesamten Berg, der komplett ausgebaut ist. Mehrere riesige Klöster und Tempelanlagen finden sich zwischen den hunderten Metern hohen Felsen.

Gigantische Höhlen können besichtigt werden und mit ein wenig Kletterei geht es sogar bis auf die Spitze des Berges. Wir waren leider relativ spät zum Berg gefahren. Einen wahnsinnig schönen Sonnenuntergang gab es zwar, leider aber viel zu wenig Zeit sich alles anzusehen. Meiner 360° Kamera ging selbstverständlich auch der Saft aus. Nichtsdestotrotz ein Erlebnis für sich und ein Grund irgendwann noch einmal zurückzukehren.

Der arme Kaiser

Letztes Ziel vor der Landeshauptstadt Vietnams war Hue, die ehemalige Kaiserstadt. Ähnlich wie in Peking steht bis heute die verbotene Stadt und kann besichtigt werden. Hinzu kommen mehrere Grabmäler, Tempel und Mausoleen verstorbener Kaiser. Von Kultur hatten wir aber irgendwie erstmal genug. Auch zum Rollerfahren war das Wetter zu schlecht und so landeten wir „nur“ in der verbotenen Stadt. Ein Albtraum. Ich hatte den direkten Vergleich zu Peking, aber selbst Kea war alles andere als überzeugt. Die Stadt und die Tempel sind verwahrlost und alles ist in einem hässlichem grau. Um die Gärten und die Wiesen wurde sich schon lang nicht mehr gekümmert. Ohne Plan und Einführung liefen wir eine gute Stunde umher, alles erinnerte aber eher an ein schlechtes Viertel, als an eine ehemalige Kaiserstadt. Der horrende Preis von acht Euro war daher alles andere als gerechtfertigt.

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Glücklicherweise lag unser Hotel in der Backpackerstraße, diesmal gab es auch Fenster in unserem Zimmer. Die ganze vorherige Woche mussten wir leider darauf verzichten. So geschah es, dass wir extrem viel essen gingen, da alle guten Restaurants nur wenige Meter vor unserer Tür lagen. Hue ist ohnehin bekannt für seine eigene, spezielle Küche. Auf beinahe jeder Speisekarte finden sich typische Gerichte. Ich entschied mich für eine Art Frühlingsrolle mit Nudelumantelung und Fleischfüllung, die ich mir selber am Tisch drehen musste. Neben dem Kinobesuch diesen Jahres, „Avengers: Infinity War“, passierte leider sonst nicht sehr viel.

Nach den coolen Eindrücken aus Hoi An enttäuschte die Kaiserstadt. Noch viel mehr enttäuscht waren wir von der anschließenden Busfahrt. Da „The Sinh Tourist“ wohl ausgebucht war, schoben diese uns einer anderen Buskompanie zu. Schluss mit Service und freundlichen Einheimischen. Zum Abendessen gab es eine Packung Oreo und eine Packung Pringels, wir kamen aber wohlbehalten an.

Hanoi

Das Ende unserer Vietnamreise kam so schnell wie erwartet. Während unseres Aufenthaltes in Vietnam wurde der Reunification Day gefeiert. Doof nur, dass keinerlei Busse während der Feiertage fuhren. Die Städte vor Hanoi mussten wir so kürzen und sechs ganze Nächte in der „neuen“ Hauptstadt verbringen. Gegen Ende unserer Weltreise schafften wir es tatsächlich einmal AirBnb zu benutzen. Erstkunden erhalten einen 35€ Gutschein und so war ein Einzimmer Apartment günstiger als ein Hotelzimmer. Eine Etage unter uns wurde zu unserem Leidwesen ein Spa Salon gebaut. Vor unserem Fenster ein Haus abgerissen. Wegen der Hitze beschränkten sich die Arbeitszeiten dabei von 6:00 – 9:00 und 22:00 – 24:00 Uhr. Nicht optimal aber kein Grund die Räumlichkeiten zu wechseln.

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The Veg um die Ecke

Kulturell sah es in der Innenstadt eher dürftig aus. Diverse Tempel, eine Brücke und mehrere Stadtparks. Am imposantesten war mit Abstand aber Ho Chi Minh. Der tote Führer Nordvietnams liegt in seinem Mausoleum auf einem riesigen Gelände und kann umsonst besichtigt werden. Fotos sind leider strengstens verboten. Wäre doch eine coole Idee den Alten einmal im Jahr aus seinem Glaskasten rauszuholen und wie den Papst durch die Stadt zu fahren. Perfekte Gelegenheit wäre da der bevorstehende Reunification Day. Von dem bekamen wir aber überhaupt nichts mit. Mit Feierlichkeiten haben es die Vietnamesen außerhalb vom Tet wohl eher weniger.

Ebenfalls weltberühmt ist die Halong Bucht vor Hanoi. Ähnlich wie in Milford Sound, Neuseeland, die Gelegenheit für ein oder auch zwei Nächte auf dem Wasser zu bleiben und die Bucht zu erkunden. Vernünftige Anbieter liegen aber gerne im dreistelligen Bereich, am Ende der Reise ein wenig zu teuer. So entschieden wir uns auch gegen eine Tour durch das Hochland nördlich von Hanoi, Sapa. Stattdessen legten wir diese beiden Ziele als unser nächstes großes Reiseziel fest und verbrachten die Tage lediglich in der Stadt.

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Die Bahnschienen ziehen sich einmal durch die Stadt und sind ein angesagtes Fotomotiv

Gebratene Hunde

Kulinarisch bieten Hauptstädte meist ein wenig mehr. Nachdem ich diverse schlechte Erfahrungen mit Fleisch gemacht hatte, wurde sehr viel vegetarisch gegessen. Südostasien ist entgegen aller vorheriger Erwartungen ein vegetarischer Traum. Es gibt unglaublich viele vegetarische und vegane Cafes und Restaurants. Tripadvisor und Google bietet Hilfe bei der Auswahl, auch wenn gelegentlich Bewertungen durch Vorteile wie Prozente „gekauft“ werden. Im Harry Potter Cafe waren die Getränke beispielsweise das letzte und viel zu teuer. Im Gegenzug zu einer fünf Sterne Bewertung gab es jedoch eine kostenlose Kette.

Zwei Läden die man mitnehmen sollte

Um noch mehr von den Eindrücken mitzunehmen besuchten wir gegen Ende unseres Aufenthaltes einen Kochkurs. Mit einem anderen Paar wurden zu einem lokalen Markt gefahren und es wurde eingekauft. Dort sahen wir unseren ersten und letzen gebratenen Hunde. Ohne Fell und in der Mitte durchgesägt kaum wieder zuerkennen.

Wir hielten uns lieber an Schwein und Fisch! Zu essen gab es vorweg die klassischen Frühlingsrollen. Hauptgericht stellten Fisch- und Hackbällchen mit einem Bananenblüten Salat dar. Anbei gab es Aubergine mit Ingwer Soße und und eine Reisnudel Suppe mit gegrilltem Schwein. Abschließend einen typischem vietnamesischen Ei-Kaffee. Während des Kochens wurde uns noch einmal deutlich wie viel Zucker in Südostasien in den verschiedenen Gerichten benutzt wird. In jede Soße, in jeden Salat und selbst in das Fleisch kommen mehrere Esslöffel Zucker. Auch gerne gesehen ist die Fischsoße, die in keinem Gericht fehlen darf. Ein wenig Schade war es, dass wir viel zu viel Essen hatten. Nachdem wir aufgegessen hatten, sah der Tisch aus, als ob wir noch nicht einmal angefangen hatten.

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Alles in allem war der Kurs ein absoluter Traum und bot coole Einblicke in das Leben der Locals. Monatlich bekommen wir von Roses Kitchen weiterhin einen Newsletter mit vielen Rezepten zugesendet. Bei Interesse hier vorbeigucken.

Fazit

Vietnam ist bisher das coolste Land Südostasiens. Laos hat noch die Chance dies zu übertrumpfen. Für entspanntes Backpacken oder auch für den normalen Urlaub ein absoluter Traum. Touristisch sehr weit ausgebaut mit unkomplizierten Reisen und bis auf einige Missverständnisse auch mit einem sehr einfachem Visum. Von den riesigen Städten und Tempelanlagen bis in kleinen Dörfer mit endlosen Reisfeldern. Vom Strand bis in die Berge, viele einzigartige Orte und echte Wunder. Vietnam sollte man gesehen haben.

Wir waren bloß abgestumpft gegen all diese Eindrücke. Nach acht Monaten war es soweit, wir hatten genug. Keine Lust mehr auf Nudeln und Reis, keine Lust mehr auf Tempel. Wir mussten uns echt ziemlich aufrappeln und motivieren noch etwas zu besichtigen. Europa ruft uns zurück. Den Aufenthalt  in Laos lassen wir uns natürlich nicht verderben, es sind ohnehin nur noch anderthalb Wochen bis Finnland.

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Meinungen und Tipps

Unterkunft: Modern Studio in Old Quarter

Das Apartment kann über Airbnb zum günstigen Preis gebucht werden. Mitten im Backpacker Viertel in Hanoi sind gute Restaurants, Läden und Unterhaltung für den Abend nicht weit. Selbst Ho Chi Minh ist mit 30 Minuten Fußweg zu erreichen.

Transport: The Sinh Tourist

Wohl die Company to use. Niemand bietet besseren Service und bessere Preise. Extrem komfortable Busse mit Liegesitzen und Wlan.

Sehenswürdigkeiten: The Marble Mountain

Von all den hunderten Tempeln und Orten an denen wir waren, hat mich der Marble Mountain am meisten umgehauen. Noch nie zuvor davon gehört, ist der Berg ein wahres Wunder. Weit über dem Meeresspiegel finden sich Klöster, Häuser und Höhlen. Hinter jeder Ecke entdeckt man etwas neues und kommt sich vor wie in einem Märchen. Wer das Geld für den Aufzug sparen will, kann die versteckte Treppe rechts davon nehmen.

Essen: Hue und Rose Kitchen

Für die Kaiserstadt sollte man bei bestem Willen nicht nach Hue fahren. Für das kulinarische Erlebnis hingegen schon. Hier wird alles zusammengewürfelt und ein ganz neuer Geschmack wird geboten. Wem der Weg zu weit ist findet auch in Hanoi einige Küchen, die auf Gerichte aus Hue spezialisiert sind.

Ebenfalls sollte unbedingt ein Kochkurs in Erwägung gezogen werden. Für 35€ p.P gibt es den Kurs bei Roses Kitchen, inkl. Transport. Eigenes einkaufen auf einem lokalen Markt und Zubereitung mit einem großartigem Koch. Einblicke in das Leben hinter den Kulissen und lernen vorzügliche Gerichte zu kochen.